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Editorial

[Forum Gemeindepsychologie, Jg. 30 (2025), Ausgabe 2]

Möglichkeitsräume und Anregungspotenziale – Lernen von und mit Manfred Zaumseil

Dieses Heft ist Manfred Zaumseil (26.02.1943–30.04.2023) gewidmet.

Die Idee, eine Ausgabe des Forums Gemeindepsychologie Manfred Zaumseil zu widmen, ist nach seinem Tod im Jahr 2023 auf zwei Wegen entstanden: zum einen im Redaktionsteam der Zeitschrift Forum Gemeindepsychologie und zum anderen beim Berliner Stammtisch Gemeindepsychologie. Wir Herausgeber*innen haben uns bei einem Stammtischtreffen (als Vertreter*innen einer nachfolgenden Generation) entschieden, die Realisierung dieses Heftes zu verantworten, wobei wir bei der Auswahl und dem Zusammentragen der Beiträge vom Stammtisch sehr unterstützt wurden.

Andere Weggefährt*innen hätten vielleicht andere Schwerpunkte gesetzt und Inhalte anders eingeordnet. Wir erheben nicht den Anspruch, alle Etappen, Wirkungsfelder und Interessensgebiete von Manfred Zaumseil abzubilden. Bei der Einordnung unserer Auswahl werden wir auch darauf hinweisen, was andernorts nachgelesen werden kann. Seine Projektarbeiten und seine wissenschaftlichen Beiträge entstanden ab den 1970er bis in die 2010er Jahre. Für das Handbuch Gemeindepsychologie (2023) hat er zuletzt noch an mehreren Artikeln mitgewirkt und sein Schaffen Revue passieren lassen.

Im Folgenden nennen wir ihn Manfred, wenn wir über den Hochschullehrer Prof. Dr. med. Manfred Zaumseil schreiben, denn er war ein Kind seiner Zeit, in der das „Du“ selbstverständlich war an der Universität wie in der dgvt (vgl. Daiminger, 2007) oder unter Gemeindepsycholog*innen (vgl. Schürmann & Teske, 2023; Stark, 2023).

Um Manfred zu charakterisieren, möchte ich, Anja Hermann, eine persönliche Erinnerung voranstellen. Manfred erzählte mir einmal, als wir uns im Urlaub in Griechenland trafen und gemeinsam aufs Meer schauten, von seiner ersten Reise nach Griechenland. Als junger Arzt, mit dem Studium fertig, nach ersten Erfahrungen mit Sozialpsychiatrie in Hamburg, habe er dort am Meer auf einem großen Felsen gelegen, gewärmt von der Sonne das Leben genossen und überlegt, was er mit seinem Leben anfangen möchte. Er habe sich gesagt: „Das kann es noch nicht gewesen sein.“ – und sich entschieden, nicht praktischer Arzt zu werden, sondern sich weiter auf Neues einzulassen. Mit dieser Einstellung lebte und arbeitete er meines Erachtens bis zum Schluss – mit Neugier auf Neues bzw. ihm Bekanntes weiterverfolgend in neuen Projekten.

Sich selbst beschrieb Manfred als Projektmensch. Er wollte nichts für die Ewigkeit schaffen und nannte seinen Studierenden gegenüber Klaus Dörner (1933–2022) als einen wichtigen Mentor seiner Anfangsjahre in Hamburg. Er charakterisierte sich selbst, indem er auf das Buch „Herr Dörner hat eine Idee …“ (Bührig et al., 1993) verwies. In diesem wird gewürdigt, dass Klaus Dörner – wie Manfred – Ideen einbrachte, deren Realisierung er gern anderen überließ, aber mit Neugier und Offenheit verfolgte. Mit Forschungsinteresse entwickelte Manfred Ideen mit seinen Studierenden und Kolleg*innen. Manfred hat sein Gegenüber ernst genommen und dadurch Wachstum ermöglicht. Egal mit wem wir gesprochen haben, Manfred wurde als guter Zuhörer beschrieben, der lange aufmerksam zuhörte und dann wertvolle Inputs gab und gute Fragen stellte.

Hier ein Beispiel: In einer Forschungswerkstatt im Rahmen eines Projektes, in dem es um die Rekonstruktion der Psychosozialen Notfallversorgung (PSNV) im Einsatzgeschehen unmittelbar nach dem Terroranschlag am Breitscheidplatz in Berlin ging (https://www.ifaf-berlin.de/projekte/psnvnet/), war diese Zuhörerschaft von Manfred eindrücklich erlebbar. (Im Zuge der Erstellung dieses Erinnerungsheftes habe ich, Olaf Neumann, die damaligen Aufnahmen erneut durchgehört.) Zu Beginn der Forschungswerkstatt wurde zwischen den Beteiligten heftig miteinander diskutiert. Der Geräuschpegel war höher als üblich. Erst nach 20 Minuten meldete Manfred sich zum ersten Mal zu Wort. Nicht mit einer Positionierung, sondern mit einer thematischen Beschreibung und einer theoretischen Setzung: „Da kommen wir mehr in den Bereich Bewältigung. Coping. Und das kollidiert ständig mit diesem Traumakonzept.“ Der Beitragston war gesetzt leise, das Luftholen der Diskutanten abwartend. Manfred eröffnete allen eine andere theoretische Perspektive im Fortgang der Diskussion.

Manfred dachte nicht in geschlossenen Systemen, er zeigte keine Engstirnigkeit. Seine anarchistische Seite war eher leise. In seinem Auftreten hat er eher nicht viel Angriffsfläche geboten, aber war – so wie wir ihn erlebt haben – in aller Stille selbstbewusst und hat doch radikal gedacht und – wenn es ihm angebracht erschien – auch so gehandelt.

Seine disziplinären Felder und Welten (in denen er sich bewegt und die er mehr oder weniger zusammengedacht hat) sind: Medizin, vor allem (aber nicht nur) Psychiatrie, Soziologie, in der Psychologie: Klinische Psychologie, Verhaltenstherapie in ihrer Aufbruchszeit in Deutschland, Gemeindepsychologie, Kulturpsychologie und Ethnologie, aber auch Philosophie. Ob in seinem Arbeitszimmer, Garten oder im Urlaub, Manfred hat Fachliteratur gelesen und sich hineinvertieft in ihn aktuell beschäftigende Bereiche.

Das Seminar, das Manfred als Hochschullehrer an der Freien Universität Berlin am längsten in seinem Leben angeboten und moderiert hat, war das Weddinger Psychoseseminar. Studierende, die bis zu seiner Pensionierung die Möglichkeit hatten, daran teilzunehmen, beschreiben, dass dieses Seminar einen zentralen Einfluss auf die Entwicklung ihrer professionellen Haltung nahm. Schon lange vor dem Psychoseseminar beschäftigte sich Manfred damit, wie ein anderer Umgang mit psychisch kranken Menschen aussehen kann und sollte. Seine Studierenden beschäftigten sich nicht nur mit der Idee und Realisierung der Soteria, sondern immer auch mit den historischen, gesellschaftlichen und kulturellen Kontexten im Umgang z.B. mit Psychosen.

Manfred war in der Sozialpsychiatrie zu Hause (vgl. Keupp & Zaumseil, 1978; Angermeyer & Zaumseil, 1997; Zaumseil & Leferink, 1997). Der Beginn seiner gemeindepsychiatrischen Praxisüberlegungen lag in der Hamburgischen Gesellschaft für Soziale Psychiatrie (HGSP). Gemeinsam mit Klaus Dörner, Charlotte Köttgen, Ursula Plog und anderen gründete er 1975 das Gemeindepsychiatrische Zentrum Eppendorf-Eimsbüttel (GPZE) als eines der ersten sozialpsychiatrischen Einrichtungen in Westdeutschland mit einer Kontakt- und Beratungsstelle, Tagesstätte und einem Übergangswohnheim, an die eine Werkstatt für behinderte Menschen angeschlossen war (vgl. Reumschüssel-Wienert, 2021). Die Psychiatriereform in der Bundesrepublik Deutschland 1975 und was aus ihr geworden war, beschäftigte ihn zeitlebens. 2005 untersuchte er gemeinsam mit Studierenden die Situation in Berlin 30 Jahre nach der Psychiatriereform. Sie fragten: Wo sind die psychisch Kranken geblieben? (Vock et al., 2007). Ernüchternd waren die Ergebnisse, die zeigten, dass von Enthospitalisierung nichts (mehr) zu finden war. Auch nach seiner Pensionierung engagierte er sich ehrenamtlich in der Berliner Besuchskommission, die einmal jährlich jede Berliner psychiatrische Klinik oder Fachabteilung besucht, um zu prüfen, wie es um die Einhaltung der Patientenrechte bestellt ist. Die Arbeit der Besuchskommission ist in §13 im Berliner „Gesetz über Hilfen und Schutzmaßnahmen bei psychischen Krankheiten“ (PsychKG) vom 17. Juni 2016 geregelt. 2023 hat er im Handbuch Gemeindepsychologie eine historische, gegenwartsreflektierende und gesellschaftspolitische Einordnung der Sozialpsychiatrie vorgenommen (Zaumseil et al., 2023). Der Beitrag wurde auch in einem Schwerpunktheft der dgvt abgedruckt, da großes Interesse an einer theoretischen Reflexion und Einordnung von Praxisentwicklungen besteht. Dieser umfassende Blick war zweifellos eine von Manfreds Stärken.

Eine besondere Rolle in seiner forschenden Neugier spielte Indonesien. Wie er dort forschte, Beziehungen pflegte und lebte, ist mit Liebe und Begeisterung für das Land und seine Einwohner zu erklären und verweist gleichzeitig auf die Bedeutung der Kulturpsychologie in seiner fachlichen Perspektive. Er lernte die 17.000 Inseln verbindende Sprache dieser Region Bahasa Indonesia. Die historische Absicht, die sich mit der Einführung dieser Sprache verband, waren die Prinzipien der Verständigung und Einigung über alle ethnischen Gruppen und Völker des riesigen Inselarchipels hinweg zu stärken. Die Bedeutungsvielfalt einzelner Worte ist deshalb sehr viel breiter, als wir es in unserem Sprachgebrauch kennen. Manches einzelne Wort erschließt sich also nicht von selbst, sondern muss kontextuell gedeutet werden. Dass Manfred an dieser Sprache als Gemeindepsychologe seine Freude hatte, lässt sich erahnen und nachvollziehen. Egal in welchen Lehrveranstaltungen oder Veröffentlichungen, Manfred hat uns vermittelt, dass Worte, Gesten, Sprache und Interaktionen immer in einem bestimmten Kontext zu verstehen sind. Kontextsensibilität spielte eine zentrale Rolle in seiner Lehre, Forschung und Haltung.

Einer gesellschaftlichen Entwicklung, die wir heute selbstverständlich thematisieren, war Manfred schon früh auf der Spur. Er diskutierte den Zusammenhang von Kultur und psychologischer/psychiatrischer Praxis. Auch hier wird wieder die konsequente Pendelbewegung zwischen Theorie und Praxis sichtbar. Ein Beispiel dafür ist seine Kooperation mit dem Zentrum für Interkulturelle Psychiatrie und Psychotherapie an der Charité Universitätsmedizin Berlin (ZIPP) unter Leitung von Ernestine Wohlfahrt. 2003 begann er als Teilnehmender der Interkulturellen Supervision – ein Instrument des ZIPP – mit Feldforschung, um etwas über die Arbeit und Reflexionen der klinisch Tätigen zu erfahren und seine damals schon begonnene Theoriebildung zur Klinischen Kulturpsychologie zu entwickeln. In die methodische und fachliche Selbstreflexion seines Forschungsprozesses bezog er mich, Asita Behzadi, damals seine wissenschaftliche Mitarbeiterin, ganz selbstverständlich ein. Was auch bedeutete, z.B. seine hierarchische Position oder Übernahme von fachlichen Impulsen während der Supervision offen und kritisch zu diskutieren – für mich als junge Mitarbeiterin herausfordernd und Welten eröffnend. Kultur war für ihn sowohl der Medizinbetrieb, die Psychiatrische Praxis – im ZIPP psychoanalytisch orientiert – als auch die Kultur eines bestimmten uns fremden lokalen Kontextes. Auch hier verband er im interdisziplinären Sinne Fragestellungen der Medizinsoziologie mit psychologischen und medizinischen. Seine Vorarbeiten in Indonesien entwickelte er im interdisziplinären Zugang zum Thema Kultur und Gesundheit weiter. Im Ansatz einer Klinischen Kulturpsychologie – die das Gegenteil einer kulturalisierenden Perspektive ist – formulierte er die Notwendigkeit einer konsequenten Aufmerksamkeit dafür, soziale und ökonomische Kontexte nicht zu übersehen und die gefundenen Besonderheiten nicht vollständig der Kultur zuzurechnen.

Er war Schnittstellendenker und -arbeiter und es war ihm sehr wichtig, sozial- und gesundheitspolitisch aktiv zu sein. Das bedeutete immer auch in Vereinen engagiert zu sein, Vorstands- und Fachverbandsarbeit zu übernehmen, u.a. in der GGFP, in der DGSP oder im KBS e.V. Berlin. Das passte zu seiner Selbstbeschreibung als Projektmensch. Aus diesem Engagement heraus entstanden mehrere Stellungnahmen (u.a. zu Disease-Management-Programmen (Zaumseil et al., 2002) anlässlich deren Einführung, zu Prävention, zum Reformbedarf des Psychotherapeutengesetzes (2015): https://www.ggfp.de/stellungnahmen/, die Münchener Erklärung zur Gesundheitsförderung (2009): https://www.ggfp.de/wp-content/uploads/2024/01/Muenchner_Erklaerung_Pruefsteine_GGFP.pdf). Manfred diskutierte kritisch, ohne zu zerreißen, formulierte neu, verwies auf historische Errungenschaften, ohne an ihnen festzuhalten, hatte Interesse an Neuentwicklungen, ohne den sozialpolitischen Kontext aus dem Blick zu verlieren.

Vieles, wofür er sich engagierte, ist nicht in einer Weise realisiert worden, wie er es für erstrebenswert hielt und wünschte, aber seine Überlegungen sind geblieben und können weiterhin inspirieren. Im Handbuch Gemeindepsychologie (Behzadi et al., 2023) hat er zuletzt noch an mehreren Artikeln mitgewirkt und sein Schaffen als Hochschullehrer im Projektstudium Revue passieren lassen (Autor*innenkollektiv, 2023).

 

Folgende fünf Beiträge haben wir zusammengestellt, um das vielfältige Wirken von Manfred sichtbar zu machen. Wofür sein Schaffen heute relevant ist, d.h. wo es aus der Rückschau Anknüpfungspunkte und Anregungspotenziale – ein Begriff, den Manfred geprägt hat – bietet, darüber werden Leser*innen sich selbst ein Urteil bilden können bzw. sich inspirieren lassen.

Manfreds Beiträge zur Sozialpsychiatrie haben wir bereits einleitend gewürdigt. Das Psychoseseminar hat er deutlich von psychoedukativen Verfahren und Angeboten abgegrenzt. Das liegt u.a. darin begründet, dass er keine Unterschiede zwischen den Teilnehmenden gemacht hat. Psychoseerfahrene betrachtete er als gleichberechtigte Seminarteilnehmer*innen wie Studierende, Angehörige und Professionelle auch. Seine Haltung der Allparteilichkeit und Neutralität kann in ihrer Wirkung nicht überschätzt werden, wie der Beitrag „Über Türöffner und die Verantwortung, selbst über die Schwelle zu gehen“ von Anja Hermann, Rolf Ruszetzki und Gabriela Ulrich zeigt. Sie erinnern sich gemeinsam in Gesprächen daran, was er als Hochschullehrer bei ihnen bewirkt hat. Rolf Ruszetzki beschreibt, wozu er befähigt wurde, und stellt sein Umwegkonzept vor, das jahrelang in der gedanklichen Schublade lag. Es darf gern konzeptionell weitergedacht werden!

Manfreds zuletzt herausgegebenes Buch „Cultural Psychology of Coping with Disasters. The Case of an Earthquake in Java, Indonesia“ (2014) stellt die Ergebnisse eines Forschungsprojektes vor. Dieses Projekt verbindet viel von dem, was sich durch Manfreds Handeln zieht: seine konsequente inter- und transdisziplinäre Forschungs-, Lehr- und Praxisperspektive. Auf den ersten Blick erscheint es irritierend, dass er sich nun der Katastrophenforschung widmet. Was ihm hier gelingt, ist keine neue disziplinäre Einengung, sondern eine Öffnung. Wie in allen seinen Arbeiten ist es die inter- und transdisziplinäre Perspektive, aus der er schöpft. Mit der Einbeziehung der kulturpsychologischen Perspektive bietet er ein innovatives Rahmenkonzept, das für das Forschungsprojekt ausformuliert wurde. Aus seiner sozialpsychiatrischen und gemeindepsychologischen Arbeit bezieht er die kritischen Überlegungen zu (Psycho)Pathologie ein, um sich kulturspezifischer Konzepte der Vulnerabilität und lokalen Formen der Resilienz zu widmen. Irmtraud Beerlage, langjährige Forscherin zu Psychosozialer Notfallversorgung, Krisenmanagement und Gesundheitsförderung, hat eine bislang nicht veröffentlichte Rezension zu diesem Werk geschrieben, die diesen innovativen und umfassenden Ansatz würdigt.

Silke Schwarz war wissenschaftliche Mitarbeiterin im soeben eingeführten Forschungsprojekt in Indonesien. In ihrem Beitrag „Gemeinschaften verstehen – Kulturen leben: Der kulturpsychologische Beitrag Manfred Zaumseils“ betont sie die kulturpsychologische Perspektive, die psychische Prozesse in kulturelle Bedeutungsräume einbettet. Man kann durchaus behaupten, dass Manfred diese Perspektive für die Gemeindepsychologie in Deutschland erschlossen hat. Dies zeigte sich bereits in seinem mit Ernestine Wohlfahrt 2006 herausgegebenen Sammelwerk „Transkulturelle Psychiatrie – Interkulturelle Psychotherapie“, insbesondere in seinem Einführungskapitel (2006a, S. 3–50). Der Beitrag von Silke Schwarz verdeutlicht, dass Manfred keine eindeutig disziplinäre Sichtweise vertrat, sondern sich als Brückenbauer zwischen Disziplinen und Kulturen verstand.

Jarg Bergold und Manfred Zaumseil haben im Jahr 2018 auf der Jahrestagung der dgvt in Berlin bei einem Round-Table zum Thema Zukunft der Psychotherapie/psychosozialen Versorgung ihre „Vision der psychosozialen Versorgung im Jahr 2060 – und ein Blick zurück auf heute“ vorgestellt. In dieses Gedankenexperiment in die Zukunft flossen ihre in den Jahrzehnten ihres Wirkens entwickelten sozialpsychiatrisch-gesellschaftspolitischen Überlegungen und Positionierungen ein. Prävention ist ihr Ausgangspunkt ebenso wie die Community Perspektive. Dieser Beitrag wurde vor seiner Präsentation beim Berliner Stammtisch diskutiert, was wiederum zeigt, dass Manfred sich mit seinen Überlegungen gern in Austausch begab, um sich inspirieren zu lassen, zu reiben und Thesen zu überarbeiten. Auch die Freude am Gedankenexperiment und das Spielerische und Unfertige kommen zum Ausdruck – Work in Progress.

Wir haben uns entschieden, Manfred zuletzt selbst zu Wort kommen zu lassen. Anlässlich seines 60. Geburtstags 2003 wurde er von Ingeborg Schürmann und Ursula Düll-Esse interviewt. Dieses Interview ist im Gemeindepsychologischen Rundbrief erschienen, digital aber bisher nicht zugänglich. Mit diesem Neuabdruck im Forum Gemeindepsychologie holen wir es für Interessierte zurück in die Lesewelt.

Es gibt also viele unterschiedliche Zugänge zu Manfreds Schaffen und Denken. Nur Ausschnitte kommen in dieser Ausgabe vor. Wir wünschen allen Leser*innen mit den (wieder)veröffentlichten Beiträgen Anregungen für ein Weiterdenken und kritisches Weiterentwickeln – ganz im Sinne Manfreds Work in Progress.

 

 

Asita Behzadi, Anja Hermann & Olaf Neumann

 

Herausgeber*innen für das Redaktionsteam Forum Gemeindepsychologie

 

Literatur

 

Angermeyer, M.C. & Zaumseil, M. (Hrsg.) (1997). Verrückte Entwürfe. Kulturelle und individuelle Verarbeitung psychischen Krankseins. Bonn: Edition Das Narrenschiff im Psychiatrie-Verlag.

Autor*innenkollektiv: Behzadi, A., Bergold, J., Bowe, S., Hermann, A., Marcus, K., Mathiske-Oczko, B., Schinz, M., Schürmann, I. & Zaumseil, M. (2023). Elemente gemeindepsychologischen Lehrens und Lernens am Beispiel des ehemaligen Projektstudiums an der Freien Universität Berlin. In A. Behzadi, A. Lenz, O. Neumann, I. Schürmann & M. Seckinger (Hrsg.), Handbuch Gemeindepsychologie. Community Psychology in Deutschland. Tübingen: dgvt-Verlag. S. 559–588.

Behzadi, A., Lenz, A., Neumann, O., Schürmann, I. & Seckinger, M. (Hrsg.) (2023). Handbuch Gemeindepsychologie. Community Psychology in Deutschland. Tübingen: dgvt-Verlag.

Bührig, M., Leidinger, F. & Wollschläger, M. (Hrsg.) (1993). Herr Dörner hat eine Idee. Zum 60. Geburtstag – Begegnungen mit Klaus Dörner. Köln: Psychiatrie Verlag.

Daiminger, C. (2007). Eine Erfolgsgeschichte mit Differenzen: Zur Geschichte der Professionalisierung der Verhaltenstherapie und der Deutschen Gesellschaft für Verhaltenstherapie (DGVT) in der Bundesrepublik Deutschland. Tübingen: dgvt-Verlag.

Keupp, H. & Zaumseil, M. (Hrsg.) (1978). Die gesellschaftliche Organisierung psychischen Leidens. Frankfurt am Main: Suhrkamp.

Reumschüssel-Wienert, C. (2021). Psychiatriereform in der Bundesrepublik Deutschland: Eine Chronik der Sozialpsychiatrie und ihres Verbandes – der DGSP. Histoire, Band 171. Bielefeld: transcript Verlag. https://doi.org/10.14361/9783839458136

Schürmann, I. & Teske, I. (2023). Narrative zur Geschichte der deutschen Gemeindepsychologie. In A. Behzadi, A. Lenz, O. Neumann, I. Schürmann & M. Seckinger (Hrsg.), Handbuch Gemeindepsychologie. Community Psychology in Deutschland (S. 87–110). Tübingen: dgvt-Verlag.

Stark, W. (2023). Die Entwicklung der Gemeindepsychologie im internationalen Kontext: Gesellschaftliche Auslöser und intellektuelle Traditionen. In A. Behzadi, A. Lenz, O. Neumann, I. Schürmann & M. Seckinger (Hrsg.), Handbuch Gemeindepsychologie. Community Psychology in Deutschland (S. 65–86). Tübingen: dgvt-Verlag.

Vock, R., Zaumseil, M., Zimmermann, R.-B. & Manderla, S. (2007). Mit der Diagnose „chronisch psychisch krank“ ins Pflegeheim? Eine Untersuchung der Situation in Berlin. Frankfurt am Main: Mabuse.

Wohlfahrt, E. & Zaumseil, M. (Hrsg.) (2006). Transkulturelle Psychiatrie – Interkulturelle Psychotherapie: Interdisziplinäre Theorie und Praxis. Heidelberg: Springer Verlag.

Zaumseil, M. (2006a). Beiträge der Psychologie zum Verständnis des Zusammenhangs von Kultur und psychischer Gesundheit bzw. Krankheit. In E. Wohlfart & M. Zaumseil (Hrsg.), Transkulturelle Psychiatrie – Interkulturelle Psychotherapie: Interdisziplinäre Theorie und Praxis (S. 3–50). Berlin und Heidelberg: Springer Verlag.

Zaumseil, M. & Leferink, K. (Hrsg.) (1997). Schizophrenie in der Moderne – Modernisierung der Schizophrenie. Bonn: Edition Das Narrenschiff im Psychiatrie-Verlag.

Zaumseil, M. & Frank, S. mit Kommentaren von Marcus, K. (2023). Wandlungen der Sozialpsychiatrie und gegenwärtige Widersprüche. In A. Behzadi, A. Lenz, O. Neumann, I. Schürmann & M. Seckinger (Hrsg.). Handbuch Gemeindepsychologie. Community Psychology in Deutschland (S. 137–172). Tübingen: dgvt-Verlag.

Zaumseil, M., Behzadi, A., Hermann, A., Lückert, J., Legewie, H. & Trojan, A. (2002). Gestaltung von Disease-Management-Programmen (DMP) aus gemeindepsychologischer und gesundheitswissenschaftlicher Perspektive. Expertise erstellt im Auftrag der Arbeitsgemeinschaft Psychotherapeutischer Fachverbände (AGPF).

Zaumseil, M., Schwarz, S., von Vacano, M., Sullivan, G.B. & Prawitasari-Hadiyono, J.E. (2014). Cultural Psychology of Coping with Disasters. The Case of an Earthquake in Java, Indonesia. Springer.

 



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